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Auszug aus dem Themenheft 'Partner in der Schule'

Spanisch in der Grundschule: Sollte kein Luxus sein
Erfahrungen von Claudia von Holten, "Amiguitos - Spanisch für Kinder"

Die Spielsprachschule Amiguitos - Spanisch für Kinder bietet für Kinder in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein die Möglichkeit, mit muttersprachlichen Spielleitern Spanisch zu lernen und dabei die hispano-amerikanische Kultur kennen zu lernen. Die Idee entstand vor dem Hintergrund einer deutsch-spanischen Elterninitiative, die aufzeigte, dass es eine große Nachfrage für spanischsprachige Kinderangebote gibt, und zwar sowohl für bilinguale, als auch für rein deutschsprachige Kinder. Neben den komplett privat organisierten Gruppen am Nachmittag kooperiert Amiguitos mittlerweile auch mit Schulen und Kindergärten, um als externer Partner eine Bildungsleistung anzubieten, die sonst nicht umsetzbar wäre.

Wie sind Sie darauf gekommen, Amiguitos-Kurse an Schulen anzubieten?
Nach ersten Kooperationen mit Kindergärten wurden wir auch von Eltern schulpflichtiger Kinder angesprochen, ob es nicht ein solches Angebot auch während oder im Anschluss an die Schulzeit geben könnte. Das bilinguale Spanischangebot für Kinder besteht in Bremen überwiegend im vorschulischen Bereich. In einigen wenigen Städten gibt es zwar auch bilinguale Grundschulen, diese reichen aber nicht aus, um den Bedarf zu decken. Gerade das Thema Sprache hat für viele Eltern eine hohen Stellenwert, und da das schulische Angebot hier leider oft immer noch nicht ausreichend ist, haben auch verschiedene Schulen das Interesse bekundet, diese Lücke über ein externen Partner zu schließen.
Für uns sind Schulen insbesondere interessant, weil wir hier mit einer bestehenden Gruppenstruktur arbeiten können, d.h. die Kinder lernen im gewohnten Umfeld, kennen ihre Mitschüler und müssen nicht extra gebracht werden. Man kann punktgenau die jeweilige Zielgruppe bewerben und hat so weniger „Streuverluste”, da die „Mund-zu-Mund-Propaganda” ein übriges tut.
Natürlich ist die Resonanz auf ein solches Angebot sehr von der Struktur eines Stadtteils abhängig.

Was sind für Sie die ersten Schritte, wie treten Sie an Schulen heran?
Ein erster Schritt kann sein, eine Gruppe am Nachmittag anzubieten, die im Anschluss an die reguläre Schulzeit läuft. Hierbei stellt die Schule lediglich ihre Räume zur Verfügung und tritt als Vermieter auf. Nebenbei erfüllt sie natürlich für uns eine gewisse Marketingfunktion: Wenn sich herumspricht, dass es ein solches Angebot gibt und dass die Kurse Spaß machen, kommen eventuell weitere Gruppen zustande, auch an anderen Schulen.

Eine andere Möglichkeit, einen Einstieg zu finden, ist, einen Projekttag oder eine Projektwoche (z.B. Spanische Weihnachten) anzubieten. Teilweise können dafür Mittel von der Schule bereitgestellt werden, diese reichen aber in der Regel nicht aus, um alle Kosten zu decken. Aus dieser Form der Zusammenarbeit kann so im weiteren Verlauf eine engere Zusammenarbeit entstehen.

Ebenso bieten wir Ferienprogramme in gemieteten Schulräumen an, aus denen die Kinder dann später unter Umständen in unsere regulären Gruppen wechseln. Diese können wir aber nur im Sommer durchführen, weil die Schulen während der Ferienzeiten nicht beheizt sind.

Leider gibt es kein Patentrezept. Unterschiede gibt es von Gemeinde zu Gemeinde und auch zwischen den einzelnen Schulen.

Besondere Ansprüche stellt meist die Organisation der Räumlichkeiten. Einen Vorlauf von zwei Monaten muss ich auf jeden Fall einplanen: Bis alles auf den Konferenzen diskutiert und abgesegnet ist. In Bremen, wiederum, muss zuerst eine zentrale Stelle der Schulbehörde angesprochen werden, wenn Räume benötigt werden.
Ich habe mir angewöhnt, einmal vorher zur Schule hinzufahren und mir vor Ort alles anzuschauen. Das bedeutet schon eine Menge Rennerei und Umstände vor dem Start, ist aber sicherer. Es kann nämlich durchaus sein, dass Dinge in der Praxis anders laufen als die Behörde es weiß. Da habe ich einmal eine unangenehme Überraschung erlebt, als es darum ging, um welche Zeit und von wem die Schule abgeschlossen wird. Außerdem hat man so gleich den persönlichen Kontakt mit den Schulorganisatoren.

Sie arbeiten mit verschiedenen Schulformen zusammen. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Zunächst gibt es die „normale” verlässliche Halbtagsgrundschule. Das ist ganz unspektakulär: Wir können am Nachmittag die Räumlichkeiten nutzen, und für die Schule ist es o.k., wenn jemand da ist. Es kann ja keinen stören.

Ein Angebot im Rahmen der offenen Ganztagsschule ist in Bremen bisher nicht zustande gekommen. Das scheitert an grundsätzlichen Voraussetzungen:
Das Thema Sprache steht in Bremen, z.B., momentan als Bildungskonzept nicht an erster Stelle. Hinter der Tatsache, dass die Deutschförderung bei ausländischen Kindern absolute Priorität hat, steht das frühe Erlernen einer Sprache wie Spanisch zurück. An Schulen mit hohem Ausländeranteil brauchen wir uns also erst gar nicht zu wenden.
Ein schwieriger Punkt sind auch die Honorare: Die Honorarsätze, die für Nachmittagsangebote im offenen Ganztag zur Verfügung stehen, reichen häufig nicht einmal aus, um unsere Gruppenleiterinnen zu bezahlen, und die Schulen haben nicht die Mittel, die Differenz zum Selbstkostenpreis auszugleichen. Wir haben ja auch ein pädagogisches Konzept entwickelt mit vielen unterstützenden Materialien, und unsere Mitarbeiter sind entsprechend qualifiziert. So gerne ich auch eine Schule unterstützen möchte, muss ich doch als Inhaberin einer Firma von meiner Arbeit leben können. Leider sind die Eltern dann entweder nicht in der Lage, für zusätzliche Angebote zu zahlen oder sehen es auch nicht ein, warum sie extra zahlen sollten. So können aber keine übergreifenden Angebote für alle Kinder entstehen, und es erfolgt logischerweise eine Selektion basierend auf dem finanziellen Hintergrund der Eltern.

Sehr mühsam ist auch, dass Verträge mit bildungsnahen Einrichtungen immer nur für maximal ein Jahr abgeschlossen werden, dann muss man wieder von vorne anfangen.
Das bedeutet in Bremen, dass die Behörde, die Schulleitung, der Hausmeister und der Kooperationspartner an einen Tisch müssen. In Hamburg und Schleswig-Holstein wird direkt von den Schulorganisatoren entschieden.
Anders gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Privatschulen: Der Kontakt verläuft hier in der Regel wie von einem Wirtschaftsunternehmen zum anderen. Es gibt feste Ansprechpartner, feste Budgets und einen guten Überblick über die Mittel. Die Kommunikationswege sind klar und laufen regelmäßig. Ich bekomme Newsletter und kann über Email kommunizieren, was bei staatlichen Schulen oft nicht möglich ist.

Wie läuft die Kommunikation mit den staatlichen Schulen?
Ich denke, die Schulen leiden unter dem enormen Druck, der auf dem gesamten Bildungsressort lastet. In der Regel sind die Schulleiter diejenigen, die sich um die Kooperation mit Partnern kümmern. Neben den vielen anderen Aufgaben bleibt ihnen aber meist nur wenig Zeit, sich gezielt zu kümmern. Zu ihren Aufgaben gehört ja auch die Vertretung von Kollegen, damit es nicht zu Unterrichtsausfällen kommt. Das lässt ihnen sehr wenig Zeit und infolgedessen sind sie oft kaum zu erreichen. Es passiert immer wieder, dass ich für einen Anruf bei einer Schulleitung ein exaktes Zeitfenster von gerade einmal fünf Minuten genannt bekomme. Wenn ich es nicht genau schaffe, mich daran zu halten, etwa weil ich noch ein anderes Gespräch habe, das ich nicht abbrechen kann, ist die Gelegenheit vorbei und ich kann wieder Tage warten, bis ich die nächste dieser prekären Zeitvorgaben bekomme. Selbst hochinteressierte Schulleiter können uns oft aufgrund mangelnder Zeit nicht unterstützen, da natürlich die Organisation des regulären Schulablaufs Priorität hat.
Manche Schulen haben sehr gut organisierte Sekretariate oder Hausmeister, mit denen sich vieles klären lässt. Bei anderen wiederum kann das Sekretariat die Mauer sein, an der man abprallt.
Was funktioniert, ist die persönliche Ebene: Wenn man die Schulleitung kennt, lässt sich vieles individuell regeln. Und wenn man die Spielregeln einmal kennt, kann man ja mitspielen. Allerdings muss man die Spielregeln von Fall zu Fall herausfinden. Ein sicheres Rezept, das immer funktioniert, habe ich nicht.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Mein Eindruck ist, dass die Schulen nach einer Phase der Verunsicherung nun anfangen, eigene Profile zu entwickeln. Das macht es leichter, gezielt Partnerschaften einzugehen. Leider fehlt den Schulen meist die Zeit, gezielt Recherchen anzustellen und somit einen geeigneten Partner zu finden. Für die externen Partner, auf der anderen Seite, ist es oft schwierig, auf geeignete Schulen zu stoßen, da es keinen zentralen Informationsaustausch gibt. Fördermöglichkeiten, gerade auch großer Institute sind den Schulen vielfach gar nicht bekannt. In Bremen beispielsweise gibt es das Instituto Cervantes, das Spanischunterricht fördern könnte. Solche Institute sollten Schulen ansprechen. Es wäre schön, wenn es ein Internetportal gäbe, auf dem Schulen und Anbieter sich austauschen können.

Wichtig wäre auch, dass mehr Geld für Personal bereitgestellt wird. Fördermittel gibt es oft nur für Räumlichkeiten, und bei den verfügbaren Honorarsätzen muss man dann auf billige Hilfskräfte zurück greifen, wie es leider bei vielen schulischen Nachmittagsangeboten der Fall ist. Mir scheint manchmal, die Schulen haben gar keine andere Wahl als egal welches Angebot aufzunehmen, Hauptsache billig.

Das Interview führte Nadia Fritsche, vollständiges Heft als PDF.